Der Stadtrat Plauen stimmt gegen den Kulturpakt

Veröffentlicht am 19.12.2018 in Pressemitteilung

Plauen – In der letzten Stadtratssitzung im Jahr 2018 wurde gestern eine schwerwiegende Entscheidung für das gemeinsame Theaterprojekt Plauen-Zwickau getroffen. Zahlreiche Interessierte verfolgten die zweistündige Debatte zur Annahme des Kulturpaktes. Das Ergebnis ist äußerst enttäuschend, trotz zahlreicher Argumente für eine Annahme der Landesförderung zur Ablösung der Haustarifverträge, wurde diese abgelehnt.

 

Benjamin Zabel, Vorsitzender der SPD/Grüne Stadtratsfraktion, erklärt hierzu: „Wir hatten uns als Fraktion sehr deutlich für die Verwaltungsvorlage positioniert. Die vorgeschlagene Lösung würde sowohl eine angemessene Entlohnung der Angestellten, als auch ein finanziell umsetzbares Konzept für die Stadt Plauen ermöglichen. Mit dieser Vereinbarung wäre das Mehrspartentheater in seiner aktuellen Form gesichert, und wir hätten zudem die Unterstützung seitens der Landesregierung erhalten. Eine Entscheidung ist längst überfällig, auch weil die Inanspruchnahme der Kulturförderung an Fristen gebunden ist. Die Beschäftigten des Theaters verzichten seit fast 15 Jahren auf Lohnsteigerungen, das Theater muss durch den Freizeitausgleich mehrere Wochen im Jahr schließen. Das Land hat zugesagt, die Ablösung der Haustarifverträge mit 7 Mio. EUR zu fördern. Alle anderen sächsischen Theater haben das angenommen, nur Plauen nun nicht. Verhandlungen zur paritätischen Mitbestimmung in wichtigen Fragen wurden seitens beider Oberbürgermeister zugesagt und wären auch mit den Verwaltungsvorlagen gestern, also Ablösung des Haustarifvertrages zum 31.12.18 und Änderung des Grundlagenvertrages, möglich gewesen. Außer Gerüchte und wage Stimmungslagen konnte niemand belegen, dass die Veränderung der Sitzverteilung im Aufsichtsrat Plauen nachhaltig benachteiligt.“

 

Während der Debatte hatten sich außerdem Ralf Oberdorfer, Oberbürgermeister der Stadt Plauen, Dr. Pia Findeis, Oberbürgermeisterin der Stadt Zwickau und die Arbeitnehmervertretung des Theaters Plauen-Zwickau für den Kulturpakt ausgesprochen. Die Gegenposition wurde von den Stadtratsfraktionen CDU und DIE LINKE vertreten, diese fordern eine erneute Verlängerung der Verhandlungen und verweisen auf eine mögliche Benachteiligung des Standortes Plauens. Trotz festgeschriebener Gleichrangigkeit bei Premieren- und Spielplan, verhinderten die beiden Fraktionen mit ihrem geschlossenen Votum die Annahme des Kulturpaktes. Juliane Pfeil-Zabel, Stadträtin und Mitglied des Sächsischen Landtag (SPD), kann die angebrachten Vorbehalte nicht nachvollziehen: „Wir haben seit Jahren eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt Zwickau, die gemeinsame Umsetzung des Theaters Plauen-Zwickau wurde stets miteinander abgestimmt. Außerdem müssen wir ein Zeichen an die Beschäftigten senden, deren bisherige Anstellung in Haustarifverträgen bedeutet eine freiwillige geringere Entlohnung, dies ist nicht zukunftsfähig.“

 

Benjamin Zabel ergänzt hierzu: „Wir haben alle Optionen für ein lebendiges Theater in der Hand, deswegen möchten wir als Fraktion weiterhin für die Zukunft der Theaterehe, der Angestellten und der Programmgestaltung eintreten. Momentan wird jedoch nur Unmut zwischen den Kooperationspartnern Zwickau und Plauen geschaffen. Manche in den Reihen von CDU und Linke frohlocken damit, wenn die Verhandlungen scheitern, wieder ein ‘eigenes Theater‘ zu haben. Die Leistungen, die wir zurzeit für 15 Millionen Euro erhalten, werden wir sicher für unseren Plauener Anteil von knapp drei Millionen Euro dann nicht mehr haben. Im Vogtland droht dann ein zweites Bad Elster-Theater, also ein von außen bespieltes Theater ohne selbstproduzierte Sparten.“

 

Bild: Carolin Eschenbrenner
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